Ein Opel Insignia vernetzt sich selbst

Wann die autonomen Autos endgültig das Steuer übernehmen, das wissen auch Florian Jomrich und Maximilian Harr nicht. Doch dass dies eher früher als später geschieht, dazu leisten die beiden Doktoranden ihren Beitrag. An diesem Dienstagvormittag sammeln sie im Opel Test Center Dudenhofen Daten. Jede Menge Daten. Das Versuchsfahrzeug ist gespickt mit Kameras und Sensoren. Im Kofferraum türmen sich Rechner zur Kommunikation, Lokalisierung und zur Echtzeit-Berechnung von Fahrmanövern.

Die Basis: digitale Karten

Florian Jomrich und Maximilian Harr im Testfahrzeug

Beim hochautomatsierten Fahren, an dem hier gearbeitet wird, muss der Fahrer die Fahrt nicht permanent überwachen. Allerdings muss er das Steuer bei Bedarf mit einer gewissen Zeitreserve übernehmen können. Um diesen potenziellen Eingriff durch den Menschen, etwa im Fall einer Baustelle oder eines Unfalls, sicher und komfortabel zu ermöglichen, werden zentimetergenaue, digitale Streckenkarten benötigt. Das Fahrzeug nutzt diese Kartendaten, um seine eigenen Sensor- und Umgebungsinformationen abzugleichen und in zuverlässige, selbstständige Fahrmanöver umzuwandeln – oder aber in ein Signal, das den Fahrer auf die Übernahme vorbereitet.

„Zum Beispiel speisen die Autos die Umfeldwahrnehmung ihrer eigenen Onboard-Sensorik in das gemeinschaftliche System ein“, erläutert Florian Jomrich. „In dem Server werden die Informationen gesammelt, ausgewertet und sinnvoll zusammengefasst. So erhalten die Fahrzeuge nahezu in Echtzeit die digitale Karte, die mit aktuellen Verkehrsinformationen angereichert ist und für hochautomatisiertes Fahren benötigt wird“, ergänzt Maximilian Harr. Daher haben die angehenden Doktoranden etwa bei Versuchsfahrten auf einem Autobahndreieck rund um Frankfurt umfangreiche Umgebungsdaten „eingefahren“. Diese dienten als Grundlage, neue Algorithmen zur selbstständigen Aktualisierung des Kartenmaterials im sogenannten Safety Server zu entwickeln.

Bitte die Hände vom Lenkrad

Der vernetzte Opel Insignia auf der Teststrecke

„Zehn Sekunden Zeit sollen dem Fahrer bleiben, um bei einer entsprechenden Meldung des Systems das Lenkrad wieder übernehmen zu können“, so Florian Jomrich. „Entsprechend schnell und sicher müssen die Daten vom Server zum Fahrzeug fließen, die die hochauflösenden Karten liefern.“ Diese Reaktionsfrist lässt sich bei geringeren Geschwindigkeiten natürlich leichter gewährleisten als bei höheren. „Im Geschwindigkeitsbereich von 130 km/h ist die digitale Karte ein wichtiges Feature.“ Zum reibungslosen Datenaustausch ist dabei ein absolut störungsfrei arbeitendes Kommunikationssystem von entscheidender Bedeutung.

Das Versuchsfahrzeug soll zum Beispiel eine Wanderbaustelle korrekt detektieren und diese Information an den Safety Server melden. “Bereits im September stehen im Opel Test Center Dudenhofen die Abschluss-Demos zum laufenden Projekt bevor. „Und da wollen wir dafür sorgen, dass unser Versuchsfahrzeug eine beeindruckende Performance liefert – unbedingt“, erläutert Florian Jomrich, während er auf der Teststrecke die Hände vom Lenkrad nimmt und entspannt in den Schoß legt.

 

Text: Eric Scherer/Thomas Lenz, Fotos: Alex Heimann