Konferenz ohne Präsenz

Ein Bericht von Dr. Christoph Rensing über die Learning Analytics & Knowledge Conference 2020 oder: Wie man eine internationale wissenschaftliche Konferenz trotz COVID-19 erfolgreich durchführen kann.

Seit dem August 2018, dem Zeitpunkt an dem die Society of Learning Analytics Research (SOLAR) die Entscheidung getroffen hatte, die Ausrichtung der 10. LAK Tagung an Kollegen Hendrik Drachsler aus Frankfurt und mich übertragen hatte, liefen die Vorbereitung auf die Tagung. Neben der Zusammenstellung des wissenschaftlichen Programms lag unser Augenmerk als lokale Organisatoren auf der Schaffung von Möglichkeiten zur Vernetzung der Teilnehmer*innen in Workshops, Pausen oder dem Social Event. Wir waren sehr stolz, als wir schon frühzeitig die Marke von 500 registrierten Teilnehmern überschritten hatten und steuerten auf 600 Anmeldungen aus fünf verschiedenen Kontinenten zu, als die ersten Nachfragen einer Gruppe von Wissenschaftlern aus Wuhan bzgl. Stornierungsmöglichkeiten wegen COVID-19 Reisebeschränkungen kamen.

Ab diesem Zeitpunkt mussten wir uns mehr und mehr mit Alternativen zu einer reinen Präsenztagung beschäftigen; zunächst planten wir zweigleisig: Präsenz und Online. Zwölf Tage vor dem geplanten Beginn war dann klar, dass der Campus gesperrt sein würde und wir entschieden die Konferenz nicht ausfallen zu lassen, sondern soweit möglich als Online-Konferenz durchzuführen.

Das bedeutete sehr viele organisatorische Maßnahmen, von der Information der Teilnehmer*innen über die komplette Umstellung des Programms bis hin zur Schaffung der technischen Voraussetzungen. Mit einem super engagierten und in Online-Lehre erfahrenen Team klappte das zunächst für unmöglich Gehaltene.

Das Konferenzprogramm wurde auf drei Tage von 9:00 bis 22:00 deutscher Zeit verteilt und eine Zuordnung der Referent*innen zu ihren jeweiligen Zeitzonen vorgenommen. So konnten alle Vorträge live in virtuellen Konferenzräumen gehalten werden und auch die KollegInnen aus Amerika und Australien hatten die Möglichkeit zumindest einige Vorträge aktiv zu verfolgen. Zudem wurden alle Vorträge aufgezeichnet und über eine Plattform der Goethe Universität bereitgestellt. Das gilt auch für die Poster- und Demopräsentationen, zu denen die Referent*innen gebeten wurden im Vorfeld Videos zu senden. Eine weitere Herausforderung bestand in der Bereitstellung von Möglichkeiten zum Austausch. Dafür dienten Foren, die über die Konferenzwebseite erreichbar waren, aber insbesondere auch unsere virtuellen Räume für Pausen „Coffee Machine“ und „Bench in the Sun“ und Social Events wie Preisverleihungen und Conference Closing.

All das ist uns tatsächlich gelungen: Während der Konferenzeröffnung waren mehr als 200 Teilnehmer*innen zugegen, in den einzelnen Vortragssessions mehrfach 80 bis zu 110 Teilnehmende – damit mindestens genauso viel wie klassischen Präsenzsessions. Es wurde in den Foren und über Twitter diskutiert (siehe unten) und im Virtuellen entstanden neue Kontakte. Die Resonanz war insgesamt überaus positiv.

Mein Dank gilt allen die dazu beigetragen haben und ich bin gespannt, wie die Erfahrungen zukünftige Tagungen verändern werden.

Text: Dr. Christoph Rensing

Beitragsbild: Pexels